Blogstöckchen: Lehr-/Lernraumbilder

Von Urs Henning (@urshenninghttp://web2-unterricht.blogspot.ch/) wurde ich über ein Blockstöckchen zu einem Beitrag über Lehr-/Lernraumbilder nominiert. Es geht darum, dass Timo van Treeck, Yvonne-Beatrice Böhler und Christian Kohls zur Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik am 22.9. in Bochum möglichst viele, gute Beispiele von Lehr-/Lernräumen zeigen möchten (→ Mehr Raum für kompetenzorientierte Lehre). 

Die digitale Methode zur Ideensammlung über ein Blockstöckchen war mir bisher unbekannt. Da die Idee das digitale, vernetzte Lernen aufgreift und Protagonisten des digitalen Lernens vernetzt, nehme ich dieses digitale Stöckchen gerne auf und beschreibe Lehr-/Lernräume auf unserem schmizh-Blog. Gleichzeitig normiere ich Christian W. Blaser (Blaser Architekten AG), Reto Thöny (Churermodell) und Beat Rüedi (Lernen unterwegs) für einen ebensolchen Beitrag. Alle Details zum Blogstöckchen sind unter https://tvtsblog.blogspot.ch/2016/07/aufruf-zum-blogstockchen.html zu finden.

Lehr-/Lernräume im Schulhaus Seehalde

Lehr-/Lernräume strukturieren das Lernen wesentlich. In den letzten vier Jahren gestalteten wir an der Seehalde die Räume entsprechend. Wichtig war uns ein grosser, gut zu überblickender Raum zur individuellen Vertiefung (wir nennen diesen Raum Office, andere Lernatelier etc.), Räume für die gemeinsame Arbeit und für Besprechungen/Lerncoachings (Gruppenräume) und Inputräume für Fachinputs und Arbeiten in grösseren Gruppen. Auch haben wir darauf geachtet, dass im ganzen Schulhaus überall Nischen und Ecken für individuelles oder gemeinsames Arbeiten vorhanden sind, auch draussen im Freien. Alle unsere Räume sind zudem schall-/lichttechnisch optimiert - ein Anspruch, welcher in Schulen viel zu oft keine genügende Beachtung findet. 

Persönliche Arbeitsplätze

Ursprünglich wollten wir Caddy-Arbeitsplätze für unsere Schüler/-innen schaffen. Plätze, die sie individuell und temporär in Anspruch nehmen konnten. Unsere Teenager wollten jedoch einen eigenen Arbeitsplatz, welchen sie auch persönlich "verschönern" können. Sie nutzen gestalten somit ihren eigenen Lernort, nehmen diesen ein, schmücken ihn mit Lernhilfen und Angenehmen, möglichen Zielen, materiell oder ideell.  

Räume für Lehrpersonen und die Schulleitung

Die Caddy-Idee wurde von den Lehrpersonen aufgegriffen. Sie besitzen an der Seehalde keinen eigenen Arbeitsplatz in den Offices, sondern arbeiten an ihren Caddies und direkt bei den Lernenden. Dafür sind Team-Arbeitsplätze für unsere Lehrpersonen entstanden. Hier kollaborieren die Teams, halten ihre Sitzungen ab und die persönlichen Arbeitsmaterialien für Vorbereitung, Recherche, Reflexion etc. finden hier ihren Platz.

Als Schulleiter verzichte auch ich auf einen Schreibtisch und gestalte meinen Lehr-/Lernraum ganz bewusst. Für Gespräche das Sofa, für konzeptionelles Arbeiten der Besprechungsraum mit genügend Wandflächen für kreatives Denken, Notieren, Skizzieren und den digitalen Hilfsmitteln der heutigen Zeit.

Virtuelle Lehr-/Lernräume

Der Lehr-/Lernraum wurde bei uns jedoch nicht nur physisch, sondern auch virtuell gestaltet. Unser Kosmos beinhaltet unter anderem zur Zeit Google for Education (Mail, Drive, Apps), Apple for Education (iTunes U, School Manager) mit unserer 1:1-iPad-Abdeckung, Showbie als digitale Austauschplattform, Beekeeper als digitale Kommunikationsplattform und Evernote als Dokumentationsraum und digitales Gedächtnis um nur einige aufzuzählen. Der Gestaltung der digitalen Lehr- und Lernräume wird künftig immer wichtiger und greift unmittelbar in die Gestaltung des physischen Raums ein. 

Präsentationsflächen und -technologien (AppleTV, ActivConnect, Chromecast) für die verschiedensten persönlichen und schulischen Geräte und Interaktionsplattformen (Google, Ebooks, Blogs, MOOCs, Beekeeper etc.) werden immer wichtiger. Auch diese möchten konzipiert, gestaltet, gemütlich, persönlich sein. Im digitalen Dschungel den Überblick zu behalten und allgemeine Strukturen zu schaffen ist weitaus schwieriger als in der geordneten physischen Welt.

Ausblick → So könnte es auch aussehen!

Gerne würde man eine Schule auf der grünen Wiese neu konzipieren. Im April 2016 durfte ich das VUC Trainingscenter in Haderslev, Dänemark besuchen. Ein Campus, welcher entsprechend neuestem Lehr-/Lern-Wissen konzipiert und erbaut wurde. Die Schule verknüpft dabei digitale Lernräume äusserst geschickt mit realen Begegnungs- und Lehr-/Lernräumen und schafft dabei einen inspirierenden Raum. Dieser ist äusserst transparent, mit vielen Nischen versehen, verfügt über runde Input-Pods (hätte ich sehr gerne) und einen Freiluft-Präsentationsbereich.

Im Januar 2016 durfte ich im Rahmen des Apple Education Leadership Summit in London einen Input von Bill Rankin und der Firma Gensler (Kalifornien, USA) über "Physical and Virtual Infrastructure" geniessen. Sie zeigten eindrücklich auf, wie neu definierte, gut gestaltete Lehr-/Lernräume sich positiv auf die Lernergebnisse der Lernenden auswirken. Auf der Webpage von Gensler sind diverse Beiträge und Studien zu finden.

Nominierung

Gerne hätte auch ich Philippe Wampfler nominiert. Da kam mir jedoch Urs Henning zuvor. Ich nominiere: Beat Rüedi, welcher mit Lernen unterwegs einen digitalen Lernraum beschreibt, Christian W. Blaser, welchen ich zwar nicht persönlich kenne, auf dessen Firma Blaser Architekten ich in der Recherche gestossen bin und der in seinem Dialograum schauraum b dieses Thema diskutieren liessen (RaumBildung - BildungsRaum) und Reto Thöny (Churermodell), welcher Bildungsraum auf der Primarstufe neu denkt.

Ich würde mich freuen, wenn die drei nominierten das Blogstöckchen aufnehmen würden und einen entsprechenden Beitrag schreiben könnten.

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